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Vom Mut, wieder Pionier zu sein

  • Autorenbild: Stefan Schwarz
    Stefan Schwarz
  • 19. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. März

Warum wird Verantwortung in manchen Unternehmen selbstverständlich übernommen und in anderen eher vermieden?


Diese Frage entscheidet oft stärker über Innovationskraft als jede Methode, jedes Tool oder jedes Innovationsprogramm. Denn neue Ideen entstehen nicht automatisch dort, wo Innovation gewünscht ist. Sie entstehen dort, wo Menschen das Gefühl haben, wirklich etwas bewegen zu können.


Viele Unternehmen sprechen von Eigenverantwortung. Im Alltag bleibt der Handlungsspielraum jedoch häufig begrenzt: Entscheidungen werden abgesichert, Zuständigkeiten eng definiert und Risiken möglichst früh kontrolliert. Was dabei oft unbemerkt verloren geht, ist nicht nur Geschwindigkeit, sondern vor allem Initiative.


Im letzten Artikel Wenn Erfolg zum Innovationskiller wird stand die Frage im Zentrum, wie Unternehmen mit zunehmender Stabilität schrittweise jene Dynamik verlieren, die sie ursprünglich stark gemacht hat. Strukturen schaffen Sicherheit – können aber gleichzeitig dazu führen, dass innovative Energie zunehmend versandet.


Die entscheidende Anschlussfrage lautet deshalb:

Was braucht es, damit Verantwortung im Unternehmen nicht nur formal verteilt, sondern tatsächlich übernommen wird?



Verantwortung entsteht nicht durch Appelle


Verantwortung lässt sich nicht einfach anordnen. Menschen übernehmen sie dort, wo sie Wirkung erleben, Vertrauen spüren und wissen, dass Initiative nicht sofort durch zusätzliche Absicherung gebremst wird.


Genau deshalb reicht es nicht, Eigenverantwortung einzufordern, wenn gleichzeitig jede relevante Entscheidung wieder zentral überprüft wird. In vielen Unternehmen entsteht daraus ein stiller Widerspruch: Offiziell sollen Mitarbeitende mitdenken. Praktisch bleiben die entscheidenden Spielräume jedoch oft eng.


Die Folge zeigt sich häufig schleichend:


  • Ideen werden vorsichtiger formuliert

  • Entscheidungen werden eher vermieden

  • Zuständigkeiten enger interpretiert

  • Engagement orientiert sich stärker am Erwartbaren als am Möglichen


Der bekannte Satz

„Dafür bin ich nicht zuständig“

ist selten der Anfang eines Problems – meist ist er bereits Ausdruck einer gewachsenen Kultur.


Warum Intrapreneure anders reagieren


Gerade Intrapreneure spüren solche Unterschiede früh. Denn wer unternehmerisch denkt, orientiert sich weniger an bestehenden Grenzen als an Chancen.


Solche Menschen fragen nicht zuerst, ob etwas exakt in ihren Aufgabenbereich fällt. Sie fragen, ob es sinnvoll ist, Wirkung erzeugen könnte und ob sich ein erster Schritt lohnt.


Genau deshalb geraten sie in stark regulierten Umfeldern oft unter Druck. Nicht weil ihre Ideen schwach wären, sondern weil ihre Denkweise schneller ist als viele bestehende Entscheidungslogiken.


Damit Intrapreneure wirksam werden können, brauchen sie beides zugleich: Freiheit im Denken und Rückhalt im System. Fehlt eines davon, entsteht Frustration.


Der eigentliche Hebel liegt in der Führung


Entscheidend für Innovation ist oft nicht die einzelne Idee, sondern ob Menschen im Alltag überhaupt den Spielraum haben, Verantwortung zu übernehmen.


Die entscheidende Frage also lautet nicht:


Welche Idee ist heute bereits vollständig abgesichert?


Sondern:


Wo im Unternehmen darf Verantwortung entstehen, bevor vollständige Sicherheit vorhanden ist?


Denn Innovation bewegt sich fast immer zuerst im Unklaren. Das verlangt Führungskräften etwas ab, das im Alltag anspruchsvoll bleibt:


  • nicht jede Unsicherheit sofort zu kontrollieren

  • nicht jede Initiative vorschnell zu standardisieren

  • nicht jede Entscheidung wieder an die Spitze zurückzuholen


Gerade darin liegt oft die eigentliche Herausforderung: Entwicklung zuzulassen, obwohl Ergebnisse noch nicht eindeutig feststehen.


Wenn Verantwortung Kreise zieht


Menschen orientieren sich an gelebten Mustern. Wenn Verantwortung sichtbar geteilt wird, verändert sich das Verhalten. Teams denken mit. Ideen entstehen schneller. Initiative wird selbstverständlicher. 


Wenn dagegen vor allem Fehlervermeidung spürbar ist, entsteht Zurückhaltung. Dann wird Innovation zwar offiziell gewünscht – praktisch aber selten wirklich getragen.


Die Kultur entscheidet letztlich stärker als jedes Innovationsformat.



CEOs als Kulturarchitekten


Die wirksamsten Führungskräfte verstehen sich deshalb nicht nur als Entscheider, sondern als Gestalter von Rahmenbedingungen:


Sie schaffen Räume, in denen Verantwortung entstehen kann. Sie schützen Entwicklung, bevor sie bereits erfolgreich ist. Und sie akzeptieren, dass nicht jede Bewegung von Anfang an vollständig planbar ist.


Denn Unternehmen bleiben nicht innovativ, weil sie Innovation ausrufen. Sie bleiben innovativ, wenn Menschen Verantwortung übernehmen dürfen, bevor alles abgesichert ist.

Gedanken zum Abschluss


Vielleicht beginnt Pioniergeist nicht dort, wo Unternehmen besonders mutig auftreten, sondern dort, wo Verantwortung wieder breiter getragen werden darf.


Nicht als Kontrollverlust, sondern als bewusste Entscheidung, Entwicklung nicht ausschliesslich an wenigen Stellen festzuhalten.


Denn Zukunft entsteht selten durch einzelne Heldinnen oder Helden. Sie entsteht dort, wo Verantwortung im Unternehmen nicht delegiert wirkt, sondern tatsächlich gelebt wird.


Vielleicht beginnt der nächste wichtige Schritt deshalb mit einer einfachen Beobachtung:

Wer in deinem Unternehmen würde heute mehr Verantwortung übernehmen, wenn man ihn wirklich liesse?

Challenge für CEOs


✅ Such dir drei Menschen im Unternehmen, die regelmässig querdenken.


✅ Frag sie: „Wo erlebt ihr heute unnötige Grenzen, obwohl eigentlich Gestaltung möglich wäre?“


✅ Danach: „Welche Verantwortung würdet ihr übernehmen, wenn ihr mehr Spielraum hättet?“


☝️ Und dann beginnt der anspruchsvollste Teil: Zuhören und verstehen. Denn oft beginnt Innovation genau dort, wo Verantwortung ernst genommen wird.

Wo gelingt Verantwortung in deinem Unternehmen bereits gut und wo wird sie noch unnötig zurückgehalten?


 
 
 

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